Athen & Attika · Abschnitt 5/8

Essen & Trinken

🇬🇷 Griechenland Reiseführer

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Essen & Trinken

In Athen isst man nicht, man zelebriert. Essen ist hier Ausdruck von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und Lebensfreude — und die Qualität der Zutaten ist trotz Wirtschaftskrise erstaunlich hoch geblieben. Das liegt an einer ungebrochenen Tradition: Die Athener kaufen ihre Tomaten auf dem Laiki (Wochenmarkt), ihr Olivenöl kommt vom Onkel auf dem Peloponnes, und der Feta wird nicht industriell produziert, sondern von einer Käserei auf dem Festland geliefert. Sogar in einfachen Tavernen schmeckt das Essen oft besser als in deutschen Sternerestaurants.

Die Athener Essenszeiten: Mittagessen ab 14 Uhr (ja, wirklich), Abendessen ab 21 Uhr (im Sommer eher 22 Uhr). Ein Restaurant, das um 19 Uhr voll ist, ist ein Touristenladen. Die Griechen bestellen nicht einzeln, sondern teilen: Meze (kleine Gerichte), Salate, Gegrilltes kommen in die Tischmitte, jeder bedient sich. Das ist nicht unhöflich, das ist griechisch.

Budget (€): Streetfood & Tavernen

Athen ist ein Paradies für Sparfüchse. Ein Souvlaki-Pita für 3-3,50€ ist eine vollständige Mahlzeit: gerolltes Fladenbrot, gegrilltes Schweine- oder Hähnchenfleisch, Pommes (!), Tomaten, Zwiebeln, Tzatziki. Zwei davon und ein Bier für unter 10€ — das ist ein Abendessen.

Street Food

  • Kostas (Plateia Agias Irinis 2): Die winzige Bude, vor der mittags eine Schlange steht, die um die Ecke geht. Nur Souvlaki, nur Schwein, nur perfekt. Seit 1950. Nur mittags geöffnet (11-16 Uhr), wenn die Schlange weg ist, ist auch das Fleisch weg. 3€ pro Pita. Cash only.
  • O Thanasis (Mitropoleos 69, Monastiraki): Legendäre Kebab-Pitas (Hackfleischspieße) seit 1964. Riesige Portionen, das Fleisch kommt vom Holzkohlegrill. Touristisch, ja — aber trotzdem gut. Pita 4€, Teller 8-10€.
  • Bairaktaris (Plateia Monastirakiou 2): Seit 1879 (!) auf dem Monastiraki-Platz. Souvlaki und Gyros mit Akropolis-Blick. Die Qualität schwankt (manchmal touristisch nachlässig), aber der Ort hat Geschichte.
  • Koulouri: An jeder Straßenecke verkaufen fliegende Händler den Sesamkringel — Griechenlands Antwort auf die Brezel. 0,50-0,80€, perfekt als Frühstück mit einem griechischen Kaffee.
  • Lukumades (Aiolou 21, Monastiraki): Kleine, frittierte Teigbällchen, übergossen mit Honig und Zimt — oder mit Schokolade, Pistazien, Eis. Die griechische Version des Donuts, nur besser. Ab 3€.

Tavernen unter 15€

  • To Kafeneio (Epicharmou 1, Plaka): Versteckt in einer Plaka-Seitengasse, keine englische Karte, die Oma kocht. Moussaka, Pastitsio, Gemista (gefüllte Tomaten) — alles unter 10€. So isst Griechenland wirklich.
  • Diporto (Sokratous 9, Zentral-Markt): Ein Kellerloch ohne Schild, ohne Speisekarte, ohne Website. Man steigt eine Treppe hinunter und sitzt zwischen Markthändlern. Es gibt, was da ist: Fisch, Bohnen, Brot, Hauswein aus dem Fass (Retsina!). Legendär. Nur mittags, nur bar.
  • Ama Lachei (Kallidromiou 69, Exarchia): Livemusik (Rebetiko!) + unfassbar gute Meze + Tsipouro (Traubenschnaps) für kleines Geld. Freitag und Samstag reservieren! Meze ab 5€, Tsipouro 4€ mit Gratis-Meze.

💡 Tipp

In griechischen Tavernen bestellt man NICHT ein Hauptgericht pro Person. Stattdessen: 2-3 Meze (Vorspeisen) + einen Salat + ein Grillgericht zum Teilen. Dazu Brot (kommt automatisch, kostet 1-2€ als Couvert) und Hauswein. So isst Griechenland — und es wird günstiger und besser als ein einzelnes Hauptgericht.

Mittelklasse (€€): Moderne Tavernen€€

Athens mittlere Preisklasse bietet ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 25-45€ pro Person (inkl. Wein) bekommst du Essen, das in Berlin oder München das Doppelte kosten würde.

  • Scholarhio (Tripodon 14, Plaka): Eine der besten Meze-Ouzeries Athens in einem bezaubernden neoklassizistischen Haus. Die Meze sind kreativ und frisch: gegrillter Oktopus mit Fava, Zucchini-Keftedes, Saganaki mit Honig. Tisch auf der Terrasse mit Akropolis-Blick reservieren. Meze 6-14€, Hauptgerichte 12-18€.
  • Cafe Avissinia (Plateia Avissinia 7, Monastiraki): Über dem Flohmarkt thronend, mit einer Terrasse, auf der man sich sofort in Athen verliebt. Am Wochenende Live-Bouzouki, die Kellner tanzen — und das Essen (Lamm, Meze, Salate) ist hervorragend. Nur Fr-So geöffnet! Hauptgerichte 14-20€.
  • Klimataria (Plateia Theatrou 2, Psyrri): Seit 1927, eine der ältesten Tavernen Athens. Holzfässer an den Wänden, Retsina aus dem Fass, Livemusik am Wochenende. Gegrilltes Lamm, Stifado (Schmortopf), hausgemachte Pasta. Die Atmosphäre ist unbezahlbar. Hauptgerichte 12-18€.
  • Mavro Provato (Arrianou 31, Pangrati): „Das Schwarze Schaf" — eine moderne Taverne in Pangrati, die traditionelle griechische Rezepte mit frischen Zutaten und kreativem Twist serviert. Kein Tourist weit und breit. Meze 7-12€, Hauptgerichte 14-22€.
  • Ta Karamanlidika tou Fani (Sokratous 1, Zentral-Markt): Ein Delikatessen-Meze-Restaurant am Varvakios-Markt. Die Meze basieren auf Pastourma (luftgetrocknetes Rindfleisch), Sujuk und anderen Spezialitäten der anatolischen Griechen. Einzigartig in Athen. Meze 6-14€.
  • Seychelles (Kerameikou 49, Metaxourgeio): Hipster-Brunch und kreative griechische Küche in einem industriell-schicken Setting. Perfekt für ein spätes Frühstück oder frühes Mittagessen. Brunch 12-18€.

Gehoben (€€€): Fine Dining€€€

Athens Gastronomie-Szene hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Qualitätssprung gemacht. Die neue Generation griechischer Köche verbindet traditionelle Zutaten und Techniken mit internationaler Finesse — und das zu Preisen, die verglichen mit Paris, London oder Kopenhagen ein Schnäppchen sind.

  • Spondi (Pyrronos 5, Pangrati): Athens einziges Restaurant mit 2 Michelin-Sternen. Französisch-griechische Küche auf höchstem Niveau: Jakobsmuscheln mit Verjus, Lamm mit Trüffel, Desserts wie Kunstwerke. Der Innenhof mit Jasmin und Kerzen ist einer der romantischsten Orte Athens. Tasting-Menü ab 120€, a la carte 80-120€ pro Person.
  • Varoulko Seaside (Akti Koumoundourou 52, Piräus): Chefkoch Lefteris Lazarou war der erste Grieche mit Michelin-Stern (seit 2002, aktuell 1★). Fisch und Meeresfrüchte in Perfektion, direkt am Hafen von Mikrolimano. Gegrillter Oktopus, Langoustinen, kreative Fischgerichte. Hauptgerichte 30-50€.
  • CTC (Syngrou Avenue 44, Koukaki): „Creative Thane's Cooking" von Chefkoch Thanos Feskos. Innovative griechische Küche mit asiatischen Einflüssen. Das Tasting-Menü (65€, 7 Gänge) ist eine Reise durch die griechischen Regionen mit Überraschungen. Reservierung Pflicht.
  • Nolan (Voulis 31-33, Syntagma): Griechisch-japanische Fusionküche, die klingt wie ein Gimmick und sich als genial herausstellt. Sashimi mit griechischem Olivenöl, Gyoza mit Feta, Ramen mit Lammbrühe. 1 Michelin-Stern. Tasting-Menü 75€.

Dachterrassen mit Akropolis-Blick

Ein Drink auf einer Dachterrasse mit Blick auf die beleuchtete Akropolis ist eines der unverzichtbaren Athen-Erlebnisse. Die folgenden Orte sind touristisch, ja — aber der Blick ist real, und manche Dinge muss man einfach gemacht haben.

  • A for Athens (Miaouli 2, Monastiraki): Die bekannteste Rooftop-Bar Athens — direkt am Monastiraki-Platz mit Frontalblick auf Akropolis und Agora. Tagsüber Cafe, abends Bar mit DJs. Cocktails 12-16€. Komm eine Stunde vor Sonnenuntergang, um einen Platz zu ergattern.
  • 360 Degrees (Ifestou 2, Monastiraki): Direkt neben A for Athens, ähnlicher Blick, etwas entspannter. Gute Cocktails, kleine Meze-Karte. Weniger instagrammig, dafür gemütlicher. Cocktails 10-14€.
  • Couleur Locale (Normanou 3, Monastiraki): Versteckter Eingang in einer Seitengasse, Aufzug in den 3. Stock — und dann dieser Blick. Tagsüber sonnige Terrasse, abends Cocktails mit DJ-Musik und Akropolis-Panorama. Weniger bekannt als A for Athens, aber atmosphärischer. Cocktails 10-14€.
  • GB Roof Garden (Hotel Grande Bretagne, Syntagma): Das eleganteste Rooftop Athens. Der Blick vom Dach des Grande Bretagne umfasst Akropolis, Parlament, Lykabettus und den Nationalgarten. Cocktails ab 18€, Dinner ab 50€ pro Person. Dresscode: smart casual.
  • Thea Terrace (Dionysiou Areopagitou 19, Koukaki): Weniger bekannt, aber mit dem möglicherweise besten Blick: Die Akropolis scheint zum Greifen nah. Gutes Restaurant mit griechischer Küche und internationalen Einflüssen. Reservierung empfohlen. Hauptgerichte 16-28€.

💡 Tipp

Für den perfekten Akropolis-Blick ohne Aufpreis: Der Areopag-Hügel (kostenlos!) und die Philopappos-Hügel-Promenade bieten bessere Aussichten als jede Rooftop-Bar — und man kann seinen eigenen Wein mitbringen.

Street Food Guide

Griechisches Streetfood gehört zu den besten und günstigsten der Welt. Ein Überblick über die wichtigsten Klassiker:

  • Souvlaki: Kleine Spieße mit gegrilltem Fleisch (Schwein, Hähnchen, selten Lamm). Entweder als Spieß (Kalamaki) oder in einer Pita-Rolle mit Tomaten, Zwiebeln, Pommes und Tzatziki. DAS griechische Fast Food. 2,50-3,50€ pro Pita.
  • Gyros: Fleisch (Schwein oder Hähnchen) vom Drehspieß, in der Pita serviert. Der Unterschied zu Souvlaki: Gyros wird vom großen Fleischkegel geschnitten, Souvlaki sind einzelne Stücke am Spieß. Gyros-Pita: 3-4€.
  • Loukoumades: Frittierte Teigbällchen mit Honig und Zimt (oder Schokolade, Nutella, Pistazien — die moderne Variante). Heiß und frisch sind sie ein Traum. Ab 3€ die Portion.
  • Koulouri: Sesamkringel, Griechenlands Antwort auf die Brezel. Gibt es an jedem Kiosk (Periptero) und bei Straßenverkäufern. Perfektes Frühstück für 0,50-0,80€.
  • Bougatsa: Blätterteig-Pastete, gefüllt mit Vanillecreme (süß) oder Käse/Hackfleisch (herzhaft). Aus Thessaloniki stammend, aber in Athen überall erhältlich. Ab 3€.
  • Tyropita / Spanakopita: Blätterteig-Taschen mit Feta (Tyropita) oder Spinat-Feta (Spanakopita). In jeder Bäckerei (Fournos) für 2-3€. Das Standard-Frühstück vieler Athener.
  • Griechischer Kaffee: Im Briki (kleines Kupferkännchen) auf Sand erhitzt, ungefiltert, mit Satz. Bestelle „Metrio" (mittelsüß), „Gliko" (süß) oder „Sketo" (ohne Zucker). In jedem Kafenio ab 1,50€. Nicht umrühren!
  • Freddo Espresso / Freddo Cappuccino: Das Nationalgetränk des modernen Griechenlands: Espresso mit Eis geschüttelt, eiskalt, schaumig. Im Sommer unverzichtbar. 2,50-4€ überall.

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