Kolonialzeit & Santo Domingo (1496–1795)
1496 gründete Kolumbus' Bruder Bartolomé die Stadt Santo Domingo am Südufer des Río Ozama — die Siedlung, die Bestand haben sollte. Santo Domingo wurde zur Hauptstadt der gesamten Neuen Welt: Hier entstanden die erste Kathedrale, die erste Universität, das erste Krankenhaus, die erste Straße und das erste Kloster Amerikas. Von hier aus starteten die Eroberungszüge nach Kuba, Mexiko, Peru und darüber hinaus.
Für die Taíno war die Ankunft der Europäer eine Katastrophe. Durch Zwangsarbeit (Encomienda-System), eingeschleppte Krankheiten (Pocken, Masern, Grippe) und brutale Gewalt wurde die Taíno-Bevölkerung innerhalb von 50 Jahren nahezu ausgelöscht. Von geschätzten 400.000–1.000.000 Taíno bei Kolumbus' Ankunft blieben Mitte des 16. Jahrhunderts nur noch wenige Hundert. Der Dominikanermönch Bartolomé de las Casas dokumentierte die Gräueltaten und wurde zum ersten Menschenrechtsaktivisten der Geschichte.
Um die fehlenden Arbeitskräfte zu ersetzen, begannen die Spanier ab 1503 mit dem Import afrikanischer Sklaven — der Beginn des transatlantischen Sklavenhandels, der die Demografie der Karibik für immer verändern sollte. Die Zuckerrohrplantagen im Osten der Insel wurden zum wirtschaftlichen Motor, betrieben von Tausenden versklavter Afrikaner.
Ab dem 17. Jahrhundert verlor der spanische Teil Hispaniolas an Bedeutung: Das Gold war erschöpft, die Aufmerksamkeit Spaniens richtete sich auf Mexiko und Peru. Französische Piraten und Siedler besetzten den Westteil der Insel, der 1697 als Saint-Domingue offiziell an Frankreich abgetreten wurde — das spätere Haiti. Der französische Teil wurde zur reichsten Kolonie der Welt, während der spanische Osten in der Bedeutungslosigkeit versank.
💡 Tipp
Im Museo de las Casas Reales in der Zona Colonial von Santo Domingo kannst du die Kolonialgeschichte hervorragend nacherleben — inklusive originaler Schiffskarten, Waffen und einer beeindruckenden Sonnenuhr aus dem 16. Jahrhundert.