Gjirokastra — Stadt aus Stein
Gjirokastra (auch Gjirokastër) ist das steinerne Gegenstück zu Berat — und für viele Reisende die beeindruckendste Stadt Albaniens. Die „Stadt aus Stein" ist seit 2005 UNESCO-Welterbe und verdankt ihren Namen den massiven Steinhäusern mit ihren charakteristischen Schieferdächern, die sich wie ein graues Amphitheater den Berghang hinaufziehen.
Gjirokastra liegt im Drinos-Tal im Süden Albaniens, überragt von einer der größten Festungen des Balkans. Die Stadt ist der Geburtsort von Ismail Kadare (Albaniens berühmtestem Schriftsteller, Literaturnobelpreis-Kandidat) und — ironischerweise — von Enver Hoxha, dem kommunistischen Diktator. Diese Dualität zwischen Kultur und Tyrannei durchzieht die gesamte Stadt.
Sehenswürdigkeiten
- Burg von Gjirokastra: Die zweitgrößte Festung des Balkans thront über der Stadt wie eine Krone. Im Inneren: ein Militärmuseum, ein gefangenes US-Militärflugzeug (Propagandaexponat aus der Hoxha-Ära) und ein Festival-Amphitheater, das alle fünf Jahre das Nationale Folklorefestival beherbergt. Der Blick von den Burgmauern über die Steindächer und das Drinos-Tal ist überwältigend. Eintritt: 400 Lek (4€).
- Skenduli-Haus: Ein restauriertes osmanisches Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert — das am besten erhaltene Beispiel der typischen Gjirokastra-Architektur. Die Führung erklärt das Leben der wohlhabenden Bey-Familien. Eintritt: 200 Lek.
- Bazar: Der osmanische Bazar in der Unterstadt mit Handwerksläden, Souvenirs und traditionellen Lokalen. Weniger kommerziell als touristische Basare anderswo.
- Geburtshaus Enver Hoxha: Das Haus des Diktators im Bazar-Viertel (von außen besichtigbar). Ein ambivalenter Ort — Albanien ringt noch immer mit dem Erbe der 45-jährigen Diktatur.
- Cold War Tunnel: Ein unterirdischer Bunker aus der Hoxha-Ära unter der Burg, der als Museum für die kommunistische Vergangenheit dient. Bedrückend und eindrucksvoll zugleich. Eintritt: 200 Lek.
Gjirokastra ist kompakter als Berat — die wichtigsten Sehenswürdigkeiten lassen sich an einem Tag besichtigen. Aber wer die Atmosphäre genießen will — die Stille in den steinernen Gassen bei Sonnenaufgang, ein Raki auf dem Bazar, der Blick von der Burg bei Abenddämmerung — sollte eine Nacht bleiben.