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Verstehen · Kapitel 7

Kultur & Lebensart

Tschechien Reiseführer

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VerstehenKapitel 7: Kultur & Lebensart
Verstehen · Kapitel 7

Kultur & Lebensart

Was prägt die tschechische Mentalität — von Kafka über Havel bis zum Bier.

Literatur

Tschechien hat eine außergewöhnlich starke literarische Tradition — besonders im 20. Jahrhundert:

  • Franz Kafka (1883-1924) — in Prag geboren, deutschsprachig schreibend; „Die Verwandlung", „Der Process", „Das Schloss"
  • Jaroslav Hašek — „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk" (satirischer Antikriegsroman)
  • Karel Čapek — führte das Wort „Roboter" in die Weltliteratur ein (Stück „R.U.R.", 1920)
  • Milan Kundera — „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"
  • Bohumil Hrabal — „Ich habe den englischen König bedient"
  • Václav Havel — Dramatiker, Dissident und erster Präsident nach der Wende
  • Jaroslav Seifert — Literaturnobelpreisträger 1984

Musik

„Co Čech, to muzikant" — „Jeder Tscheche ein Musiker" — lautet ein altes Sprichwort. Klassische Komponisten:

  • Bedřich Smetana — „Die Moldau" (aus dem Zyklus Má vlast / Mein Vaterland)
  • Antonín Dvořák — „Aus der Neuen Welt", slawische Tänze, Oper „Rusalka"
  • Leoš Janáček — Opern „Jenufa", „Katja Kabanowa"
  • Bohuslav Martinů — 20. Jahrhundert, modern

Jährliche Festivals: Prager Frühling (klassisch, Mai-Juni, seit 1946) und Colours of Ostrava (Pop/Rock).

Bierkultur

Tschechen trinken pro Kopf mehr Bier als jede andere Nation der Welt — und das seit Jahrzehnten. Bier ist Alltag, Wirtschaftsfaktor und Kulturgut zugleich.

Das tschechische Bier ist seit 2008 EU-weit als geschützte geografische Angabe anerkannt. Die Dominanz der Pilsner-Stile geht auf die Gründung der Bürgerbrauerei in Plzeň 1842 zurück, wo der bayerische Braumeister Josef Groll das erste helle, untergärige Lagerbier braute.

Wichtige Sorten:

  • Světlý ležák — helles Lager (der klassische Pils-Stil)
  • Tmavý ležák — dunkles Lager
  • Polotmavé — „halbdunkel", mittelbraun
  • Řezané — „geschnittenes" Bier: halb hell, halb dunkel

In traditionellen Gaststätten wird das Bier meist sofort nachgeschenkt, sobald das Glas leer ist — wer nicht mehr mag, legt einen Bierdeckel auf das Glas.

Tschechische Küche

Deftig, sättigend, fleischlastig — die tschechische Küche ähnelt der süddeutschen und österreichischen. Viele Gerichte sind im Winter entstanden und dementsprechend kalorienreich.

Hauptgerichte

  • Svíčková na smetaně — marinierte Rinderlende in Rahmsauce mit Semmelknödeln und Preiselbeeren (inoffizielles Nationalgericht)
  • Vepřo-knedlo-zelo — Schweinebraten mit Knödeln und Sauerkraut
  • Guláš — tschechisches Gulasch (meist ohne Sauce an der Suppe)
  • Smažený sýr — frittierter Edamer/Hermelin mit Pommes und Tatarsauce
  • Řízek — Schnitzel, oft mit Kartoffelsalat
  • Ryba — gebackener Karpfen (traditionell an Heiligabend)

Beilagen & Knödel

Knödel (Knedlíky) — meist Semmel- oder Kartoffelknödel, geschnitten serviert — gehören zu fast jedem Hauptgericht.

Süßes

  • Buchteln (Buchty) — Hefeteig-Knödel mit Marmelade, Mohn oder Pflaumen
  • Ovocné knedlíky — süße Obstknödel, gefüllt mit Erdbeeren oder Zwetschgen
  • Větrník — Brandteig-Ring mit Karamell

Getränke

Neben Bier: Becherovka (Kräuterlikör aus Karlsbad), Slivovitz (Pflaumenbrand, besonders in Mähren), Weine aus Südmähren.

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