Land & Leute · Abschnitt 3/3

Natur & Tierwelt

🇴🇲 Oman Reiseführer

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Natur & Tierwelt

Landschaften von erstaunlicher Vielfalt

Auf einer Fläche fast so groß wie Deutschland vereint der Oman eine geologische und ökologische Vielfalt, die in der arabischen Welt einzigartig ist:

Hajar-Gebirge

Das Al-Hajar-Gebirge zieht sich als 700 km langer Gebirgszug vom Musandam im Norden bis zur Ostküste. Der Jebel Shams (3.009 m) ist der höchste Gipfel. Die Berge bestehen aus Ophiolith-Gestein — ozeanische Kruste, die bei tektonischen Verschiebungen angehoben wurde. Geologen aus aller Welt pilgern hierher, weil nirgends sonst der Meeresboden so gut sichtbar an der Oberfläche liegt.

Wüsten

Rund 80% des Oman sind Wüste — von den goldenen Sanddünen der Wahiba Sands über die endlose Kieswüste im Landesinneren bis zur Rub al-Khali (Leeres Viertel) an der Grenze zu Saudi-Arabien — der größten Sandwüste der Welt.

Tierwelt

  • Meeresschildkröten: Fünf der sieben Meeresschildkrötenarten nisten an Omans Küsten. Ras al Jinz ist der wichtigste Nistplatz der Grünen Meeresschildkröte im Indischen Ozean
  • Wale & Delfine: Die Küste des Oman ist einer der besten Orte der Welt für Whale Watching: Buckelwale, Blauwale, Pottwale und über 20 Delfinarten. Besonders vor Musandam und Muscat sind Delfinsichtungen fast garantiert
  • Arabischer Leopard: Extrem selten (geschätzt 200 Tiere weltweit), überlebt in den Bergen des Dhofar. Sichtungen sind quasi unmöglich, aber das Wissen, dass er dort ist, macht die Berge magisch
  • Arabischer Oryx: Die elegante weiße Antilope wurde in freier Wildbahn fast ausgerottet, überlebt aber dank Zuchtprogrammen im Jiddat al-Harasis (ehemaliges UNESCO-Schutzgebiet)
  • Weihrauchbäume: Die knorrigen Boswellia sacra wachsen nur im Dhofar und liefern den wertvollsten Weihrauch der Welt. Im Wadi Dawkah (UNESCO-Welterbe) stehen Hunderte dieser heiligen Bäume
  • Flamingos: In den Lagunen um Muscat und Qurum überwintern Tausende Flamingos — ein surrealer Anblick in einer Wüstenstadt

Der Arabische Oryx — Eine Erfolgsgeschichte

Die Geschichte des Arabischen Oryx (Oryx leucoryx) ist eine der größten Artenschutz-Erfolgsgeschichten der Welt — und der Oman spielte die Hauptrolle.

Die elegante weiße Antilope mit den langen, geraden Hörnern war einst in der gesamten Arabischen Halbinsel verbreitet. Durch unkontrollierte Jagd mit modernen Waffen und Geländewagen (ab den 1950er Jahren) wurde sie dezimiert. 1972 wurde der letzte wildlebende Arabische Oryx im Oman geschossen. Die Art war in freier Wildbahn ausgestorben.

Was dann geschah, ist bemerkenswert:

  • 1962: „Operation Oryx" — Biologen fangen die letzten wilden Exemplare ein und bringen sie in den Phoenix Zoo (Arizona). Mit nur 9 Tieren beginnt ein Zuchtprogramm
  • 1982: Die ersten in Gefangenschaft gezüchteten Oryx werden im Jiddat al-Harasis (Oman) wieder ausgewildert — bewacht von Beduinen-Rangern
  • 1994: Die Population wächst auf über 400 Tiere. Die UNESCO erklärt das Gebiet zum Welterbe „Arabian Oryx Sanctuary"
  • 2007: Rückschlag — Wilderei und Habitatverlust reduzieren die Population. Die UNESCO entzieht den Welterbe-Status (das einzige Mal in der Geschichte)
  • Heute: Dank neuer Schutzprogramme leben wieder über 1.000 Arabische Oryx in freier Wildbahn in der Arabischen Halbinsel, davon mehrere Hundert im Oman

Die Chancen, einen Arabischen Oryx in freier Wildbahn zu sehen, sind gering — sie leben in den entlegensten Gebieten der Wüste. Aber in einigen Naturreservaten und auf der Fahrt durch die Wahiba Sands hast du mit Glück die Möglichkeit. Ihr Anblick — schneeweißes Fell gegen den roten Wüstensand — ist unvergesslich.

Geologie — Warum der Oman einzigartig ist

Für Geologen ist der Oman ein heiliger Ort. Nirgendwo sonst auf der Erde kann man das, was normalerweise am tiefsten Meeresboden liegt, so gut an der Oberfläche studieren. Der Grund:

Ophiolith — Der Meeresboden an Land

Die Hajar-Berge bestehen zu großen Teilen aus Ophiolith-Gestein — das ist ozeanische Kruste (normalerweise 5–10 km unter dem Meeresspiegel), die durch tektonische Verschiebungen an die Oberfläche gepresst wurde. Der Semail-Ophiolith im Oman ist mit 350 km Länge und 40 km Breite der größte und best erhaltene Ophiolith-Komplex der Welt.

Was das bedeutet: Wenn du im Hajar-Gebirge wanderst, gehst du buchstäblich auf dem ehemaligen Meeresboden. Die grünlichen Steine unter deinen Füßen waren vor 95 Millionen Jahren 3.000 Meter unter Wasser. Geologen und Studenten aus aller Welt kommen hierher, um zu sehen, was sie sonst nur in Lehrbüchern finden.

Fossilien auf dem Jebel Harim

Auf dem Gipfel des Jebel Harim (2.087 m, Musandam) findest du Fossilien von Meerestieren — Muscheln, Korallen, Seeigel — eingebettet in den Fels. Diese Berge waren einst ein Korallenriff. Die Vorstellung, dass du auf 2.000 Metern Höhe auf Überresten eines tropischen Ozeans stehst, ist surreal.

Die Bimmah Sinkhole

Das kreisrunde Loch mit türkisfarbenem Wasser entstand, als eine unterirdische Kalksteinhöhle einstürzte. Das Wasser ist eine Mischung aus Süßwasser (unterirdische Quellen) und Salzwasser (Meer ist nur 600 m entfernt), was die unwirkliche Farbe erklärt. Die lokale Legende erzählt, ein Stern sei vom Himmel gefallen — daher der arabische Name „Hawiyat Najm" (Sternenloch).

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