Vielfalt als Identität
Mauritius ist das multikulturellste Land Afrikas — und vielleicht der Welt. Auf einer kleinen Insel von 2.040 km² leben Menschen mit Wurzeln in Indien, Afrika, China, Europa und Madagaskar seit Generationen zusammen. Die Bevölkerung lässt sich grob in vier Gruppen einteilen:
- Indo-Mauritier (ca. 68%) — Nachkommen der indischen Vertragsarbeiter, aufgeteilt in Hindus (die größte Gruppe) und Muslime. Sie prägen Politik, Religion, Küche und Festivals maßgeblich.
- Kreolen (ca. 27%) — Nachkommen der afrikanischen und madagassischen Sklaven, oft gemischt mit europäischem Erbe. Kreolische Musik (Sega, Ravanne), Küche und Sprache sind das Herzstück der mauritischen Populärkultur.
- Sino-Mauritier (ca. 3%) — Nachkommen chinesischer Einwanderer, vor allem Hakka-Händler. Sie dominieren den Einzelhandel und die Gastronomie — fast jeder „Boutik" (Tante-Emma-Laden) auf der Insel wird von einer sino-mauritischen Familie betrieben.
- Franco-Mauritier (ca. 2%) — Nachkommen der französischen Kolonialherren. Obwohl winzig in der Zahl, kontrollieren sie einen erheblichen Teil der Wirtschaft, insbesondere die Zuckerindustrie und den Tourismus.
Das Besondere: Diese Vielfalt führt nicht zu Konflikten, sondern zu einer gelebten Toleranz, die weltweit ihresgleichen sucht. Jeder respektiert die Feste und Bräuche der anderen Gruppen — Hindu-Festivals werden von allen gefeiert, beim chinesischen Neujahr tanzen alle mit, und Weihnachten ist ein nationales Fest. Mauritius beweist täglich, dass kulturelle Vielfalt kein Problem ist, sondern ein Geschenk.