Gesellschaft & Kultur · Abschnitt 5/5

Deutsche auf Mallorca

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Deutsche auf Mallorca

Mallorca wird gerne als „17. Bundesland" Deutschlands bezeichnet — ein Klischee, das wie alle Klischees einen wahren Kern hat, aber die Realität stark vereinfacht.

Geschichte des deutschen Tourismus

Deutsche entdeckten Mallorca in den 1960er Jahren als Urlaubsziel, als Charterflüge von Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt die Insel erschwinglich machten. Der Touristik-Pionier Neckermann bot 1963 erstmals Pauschalreisen nach Mallorca an — zwei Wochen für 399 DM, Flug und Hotel inklusive. Es war der Beginn einer Liebesgeschichte.

In den 1970ern und 1980ern entwickelte sich die Playa de Palma zum Epi-Zentrum des deutschen Massentourismus. Ballermann 6, Bierkönig, Oberbayern — eine Infrastruktur entstand, die auf deutsche Bedürfnisse zugeschnitten war: Schnitzel, Bier, Schlager, Sonne. Das Image prägt Mallorca in Deutschland bis heute — obwohl es nur einen winzigen Bruchteil der Insel repräsentiert.

Die deutsche Community heute

Geschätzt leben 30.000 bis 60.000 Deutsche dauerhaft auf Mallorca (die Zahlen variieren stark, da viele nicht offiziell gemeldet sind). Sie bilden die größte ausländische Community der Insel. Die deutsche Infrastruktur ist beeindruckend: Es gibt eine deutschsprachige Tageszeitung (Mallorca Zeitung), deutsche Ärzte, Anwälte, Steuerberater, deutschsprachige Kindergärten und Schulen (die Deutsche Schule Mallorca in Palma), deutsche Gottesdienste, deutsche Supermärkte und sogar einen deutschen Metzger in Santa Ponsa.

Realität vs. Klischee

Die deutsche Community ist viel diverser als das Ballermann-Klischee vermuten lässt. Ja, es gibt die Partytouristen an der Playa — aber auch die Unternehmerin, die ein Boutique-Hotel in Arta führt, den Radprofi, der in den Bergen trainiert, die Künstlerin in Deia, den Rentner in Santanyi, die junge Familie in Soller. Viele Deutsche sprechen fließend Spanisch (manche sogar Mallorquin), sind in Vereine integriert und fühlen sich als Teil der Inselgemeinschaft.

Das Verhältnis zwischen Mallorquinern und Deutschen ist komplex: Dankbarkeit für den wirtschaftlichen Beitrag, aber auch Unbehagen über steigende Immobilienpreise (Deutsche gehören zu den aktivsten Immobilienkäufern), kulturelle Reibungen und gelegentliche Arroganzvorwürfe — in beide Richtungen. Insgesamt funktioniert das Zusammenleben aber erstaunlich gut, gerade in den kleineren Orten abseits der Touristenzentren.

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