Sineu★★
Sineu liegt exakt im geografischen Zentrum Mallorcas — und war jahrhundertelang das symbolische Herz der Insel. Im 13. und 14. Jahrhundert residierten hier die mallorquinischen Könige in einem Palast, der später in ein Kloster (Convent dels Mínims) umgewandelt wurde. Die mächtige Pfarrkirche Nostra Senyora dels Àngels thront über dem Dorf und ist ein eindrucksvolles Beispiel gotischer Architektur auf Mallorca.
Doch der wahre Grund, nach Sineu zu kommen, ist der Wochenmarkt am Mittwoch — der größte und älteste Markt Mallorcas, urkundlich seit 1306 belegt. Jeden Mittwoch ab 8 Uhr verwandeln sich die engen Gassen des Dorfzentrums in ein farbenfrohes, duftendes Labyrinth aus Marktständen.
Der Markt gliedert sich in mehrere Bereiche: Auf der Plaça d'es Fossar der Viehmarkt — ja, es gibt noch einen echten Viehmarkt! Hühner, Kaninchen, Tauben, Lämmer und Ziegen wechseln hier den Besitzer. Drumherum der Lebensmittelmarkt: frisches Obst und Gemüse (die Tomaten!), Oliven in allen Varianten, lokaler Käse (Queso de Mahón und mallorquinischer Kuhmilchkäse), Sobrassada, Botifarrons (Blutwurst), frische Kräuter, Mandeln, getrocknete Feigen. Alles direkt von den Bauern der Umgebung.
In den Seitenstraßen findet man Kunsthandwerk und Haushaltswaren: handgeflochtene Körbe, Keramik (die typisch mallorquinische Siurell-Pfeife!), Lederwaren aus Inca, Leinenstoffe, Olivenholz-Schneidbretter. Dazwischen Stände mit Kleidung, Schuhen und dem üblichen Marktkram — einfach ignorieren und zu den authentischen Ständen weitergehen.
Das Dorf selbst lohnt auch ohne Markt einen Besuch. Die Gassen aus honigfarbenem Sandstein, die Adelspaläste (Can Font, Can Dameto), der Klosterkreuzgang und die Kirche mit ihrem markanten geflügelten Löwen (Symbol des Evangelisten Markus, Schutzpatron von Sineu) an der Fassade sind sehenswert. In der ehemaligen Bahnstation gibt es ein kleines Kunstzentrum (Centre d'Art S'Estació) mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer Kunst — Eintritt frei.
Nach dem Marktbummel: Kaffee und Ensaïmada (das luftige mallorquinische Schmalzgebäck) im Café Sa Plaça auf dem Hauptplatz — hier sitzen die Dorfbewohner seit Generationen und beobachten das Treiben.
💡 Tipp
Zum Sineu-Markt unbedingt früh kommen (8–9 Uhr), dann ist es noch angenehm leer und die Auswahl am besten. Ab 10 Uhr kommen die Reisebusse, ab 11 Uhr ist es voll. Der Markt endet gegen 13 Uhr. Parken: Am besten am Ortsrand auf den ausgewiesenen Parkflächen (kostenlos), von dort 5 Minuten zu Fuß. Im Zentrum findet man keinen Platz.