Kubanischer Alltag
Der Alltag der meisten Kubaner dreht sich um ein Thema: resolver — „lösen", „organisieren", „auftreiben". In einem Land mit chronischen Versorgungsengpässen ist die Kunst, Dinge zu beschaffen, die Grundkompetenz des Lebens. Wo gibt es heute Eier? Wer hat Seife? Wo kann man Mehl kaufen? Die Schlangen vor den Geschäften (colas) können stundenlang sein.
Das staatliche Durchschnittsgehalt liegt bei umgerechnet 20–40 € pro Monat (4.000–8.000 CUP). Davon kann niemand leben — die Preise sind seit der Währungsreform explodiert. Kubaner überleben durch eine Kombination aus:
- Remesas: Geldüberweisungen von Verwandten im Ausland (vor allem Miami)
- Schwarzmarkt: Tauschhandel, informelle Geschäfte, Verkauf von selbst angebautem Gemüse
- Tourismus: Casas Particulares, Taxifahren, Zigarrenverkauf, Kellnern — ein Kellner mit Trinkgeldern verdient oft mehr als ein Chirurg
- Libreta: Das staatliche Rationierungsheft, das subventionierte Grundnahrungsmittel garantiert (Reis, Bohnen, Zucker, Öl) — reicht für ca. 2 Wochen pro Monat
Trotz der wirtschaftlichen Misere ist die Lebensfreude der Kubaner erstaunlich: Musik, Tanz, Humor und Nachbarschaftshilfe sind das Gegengewicht zum Mangel. Die Gastfreundschaft gegenüber Fremden ist echt und herzlich — nicht nur eine Tourismusstrategie.