Lasithi & Ostkreta
Ostkreta ist der am wenigsten besuchte Teil der Insel — und genau das macht den Reiz aus. Während Chania und Rethymno von Touristen überströmt werden, hat Lasithi (Λασίθι) seinen eigenen, ruhigeren Rhythmus. Hier liegen der mondäne Ferienort Agios Nikolaos, die geheimnisvolle Leprainsel Spinalonga, Europas größter natürlicher Palmenwald in Vai, die Luxusresorts von Elounda und Europas südlichste Stadt Ierapetra.
Die Landschaft ist rauer als im Westen: trockener, karger, mit dem gewaltigen Dikti-Gebirge im Hinterland, in dem der Sage nach Zeus geboren wurde (Diktäische Höhle). Aber die Strände sind weniger überlaufen, die Preise niedriger, und die Begegnungen mit Einheimischen authentischer.
Plane 2–3 Tage für Lasithi ein, mit Basis in Agios Nikolaos oder Elounda.
Agios Nikolaos
Agios Nikolaos (Άγιος Νικόλαος, von den Einheimischen "Ag Nik" genannt) ist Lasithis Hauptort und ein hübsches Hafenstädtchen an der Mirabello-Bucht — einer der größten natürlichen Buchten im Mittelmeer. Das Wahrzeichen ist der Voulismeni-See: ein fast kreisrundes, 64 m tiefes Süßwasserbecken mitten in der Stadt, verbunden mit dem Hafen durch einen schmalen Kanal. Die Legende sagt, Athene habe hier gebadet.
Rund um den See und den Hafen reihen sich Cafés und Restaurants aneinander (überwiegend touristisch — die besseren Optionen liegen ein paar Gassen zurück). Die Stadt hat weniger historische Substanz als Chania oder Rethymno, aber einen angenehmen, entspannten Charme.
Von Agios Nikolaos starten die Boote nach Spinalonga — der Hauptgrund, warum die meisten Besucher herkommen. Die Fahrt dauert etwa 25 Minuten (12–15€ return, mehrmals täglich von 9:30–16:30 Uhr).
Archäologisches Museum Agios Nikolaos
Kleines, aber feines Museum mit minoischen und postminoischen Funden aus Ost-Kreta: Goldschmuck, Keramik, die Göttin von Mirtos (eine der frühesten bekannten Kultfiguren Kretas). 4€, Mo–So 8–15 Uhr.
Strände um Agios Nikolaos
Ammoudi — kleiner Sandstrand südlich des Zentrums, zu Fuß erreichbar, gut organisiert. Almyros — 2 km nördlich, langer Sandstrand mit flachem Wasser, ideal für Familien. Voulisma — 12 km nördlich bei Istron, einer der schönsten Strände Ost-Kretas: goldener Sand, türkises Wasser, Tavernen.
Spinalonga★★
Die kleine Insel Spinalonga (Σπιναλόγκα) in der Mirabello-Bucht ist einer der emotional ergreifendsten Orte Griechenlands. Von 1903 bis 1957 war sie eine der letzten Leprakolonien Europas — ein Ort, an den Hunderte von Leprakranken geschickt wurden, ohne Hoffnung auf Rückkehr.
Die venezianische Festung (1579) macht die Insel schon von weitem imposant. Beim Anlegen durchschreitet man Dantes Tor — den Tunnel, durch den die Leprakranken einst die Insel betraten. Dahinter: eine verlassene Siedlung mit Häusern, Geschäften, einer Kirche, einem Krankenhaus und sogar einem Kino, die die Kranken für sich aufgebaut hatten. Die Geschichten sind herzzerreißend: Menschen, die Familien gründeten, Gemeinschaften organisierten, ein normales Leben zu führen versuchten — auf einer Insel, von der sie nie zurückkehren würden.
Der Bestseller-Roman "Die Insel" (The Island) von Victoria Hislop machte Spinalonga 2005 weltberühmt und löste einen Besucheransturm aus. Das Buch ist empfehlenswerte Vorbereitung.
Besuch: Boote ab Agios Nikolaos (25 Min., 12–15€ return), ab Elounda (15 Min., 10€ return) oder ab Plaka (5 Min., 8€ return). Auf der Insel 1–2 Stunden. Wenig Schatten, Wasser mitnehmen.
Eintritt: 8€. Täglich 8–19 Uhr (Sommer), 8:30–15 Uhr (Winter). Geschlossen bei starkem Wellengang.
Vai-Palmenstrand★★
An der Nordostspitze Kretas liegt Europas größter natürlicher Palmenwald: Rund 5.000 kretische Dattelpalmen (Phoenix theophrasti) säumen einen goldenen Sandstrand an einer geschützten Bucht. Die Legende sagt, die Palmen seien aus Dattelkernen gewachsen, die arabische Piraten hier ausgespuckt haben. Botaniker datieren den Wald auf mehrere Tausend Jahre.
Vai war in den 1960ern und 70ern ein Hippie-Paradies — wild und unberührt. Nachdem Camper den Wald beinahe zerstört hatten, wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt. Heute ist der Strand gut organisiert (Liegen 8€/Set, Kantina, Duschen, WC) und im Sommer sehr voll. Aber die Kulisse bleibt einzigartig: Palmen, die bis an den Strand reichen, kristallklares Wasser, dahinter karge Hügel.
Tipps: Komme vor 10 Uhr oder nach 16 Uhr. Für weniger Menschenmassen: vom Parkplatz (3€) 10 Min. nach rechts über die Felsen klettern zum wilden Strand "Psili Ammos" — gleiche Palmen, keine Liegen, keine Massen.
Anreise: 94 km östlich von Agios Nikolaos (1,5 Stunden). Bus ab Sitia (2x täglich im Sommer, 4€). Parkplatz 3€.
Sitia & Ierapetra
Sitia
Das verschlafene Sitia (10.000 Einwohner) an Kretas Nordostküste ist das Gegenprogramm zum touristischen Treiben: ein authentisches griechisches Kleinstädtchen mit einer hübschen Hafenpromenade, ein paar guten Tavernen und null Hektik. Im August findet das Sultana-Festival statt (Raisin Festival — Kretas Osten ist berühmt für seine Sultaninen). Das Archäologische Museum hat bemerkenswerte minoische Funde aus der Umgebung (3€).
Von Sitia aus sind der Palmenstrand Vai (24 km), das Kloster Toplou (18 km, mit berühmten Ikonen) und die wild-romantische Ostküste bis Zakros erreichbar.
Ierapetra
Europas südlichste Stadt (16.000 Einwohner) liegt an Kretas Südküste und hat ein ganzjährig mildes Klima — hier wachsen Bananen und Avocados. Die kleine venezianische Festung am Hafen, die osmanische Moschee und die Altstadt-Gassen sind einen kurzen Spaziergang wert. Napoleon soll hier 1798 auf dem Weg nach Ägypten eine Nacht verbracht haben (im "Napoleon-Haus", heute leider geschlossen).
Ieapetras Hauptattraktion ist die vorgelagerte Insel Chrissi (Gaidouronisi): Nur 15 km südlich gelegen, erreichbar per Boot (25€ return, 1 Stunde). Weiße Sandstrände, türkises Wasser, ein uralter Zedernwald und karibisches Flair. Im Hochsommer sehr beliebt (600+ Besucher/Tag) — in der Nebensaison paradiesisch.