Colmado-Kultur & Alltagsleben
Wenn du die dominikanische Kultur wirklich verstehen willst, musst du den Colmado verstehen.
Ein Colmado ist offiziell ein kleiner Tante-Emma-Laden — jedes Viertel hat einen, manchmal drei oder vier auf einer einzigen Straße. Aber ein Colmado ist viel mehr als ein Laden: Er ist Nachbarschaftstreffpunkt, Bar, Musikclub, Informationsbörse und soziales Zentrum in einem. Vor dem Colmado stehen Plastikstühle, aus der riesigen Musikbox dröhnen Merengue, Bachata oder Dembow, und die Nachbarn trinken Presidente-Bier aus der Flasche, spielen Domino und diskutieren über Baseball.
Der Colmado ist die dominikanische Antwort auf die europäische Kneipe — nur lauter, bunter und allgegenwärtiger. Geschätzt 50.000 Colmados gibt es in der Dominikanischen Republik. Viele haben einen kleinen Tresen, verkaufen Rum in „Fundas" (Plastikbeuteln für 50 Pesos) und servieren Presidente-Bier in der kultigen grünen „Grande"-Flasche (650 ml), die man sich teilt.
Weitere Besonderheiten des Alltags
- Dominó: Neben Baseball die zweitliebste Freizeitbeschäftigung. Gespielt wird auf der Straße, im Colmado, im Park — laut, schnell und mit viel Trash-Talk
- Apagones: Stromausfälle gehören zum Alltag, besonders außerhalb der Touristenzonen. Viele Häuser haben einen „Inversor" (Batterie-Backup) oder einen Generator. In Resorts merkst du nichts davon
- Motoconchos & Guaguas: Das informelle Transportsystem — Motorradtaxis und Minibusse, die nach keinem Fahrplan fahren, aber dafür überall hinfahren
- Familia: Die Familie ist das Zentrum des dominikanischen Lebens. Sonntags ist Familientag — große Mittagessen, Kirchgang, Kinder spielen auf der Straße
- Piropos: Männer rufen Frauen auf der Straße Komplimente zu (manchmal respektvoll, manchmal übergriffig). Als Touristin: Ignorieren ist die beste Strategie