Die Bulgarischen Reiche
Erstes Bulgarisches Reich (681–1018)
Im Jahr 681 gründete Khan Asparuch das Erste Bulgarische Reich — den ältesten noch existierenden Staat Europas, der seinen Namen nie geändert hat. Die bulgarischen Protobulgaren (Turkvolk) verschmolzen mit den slawischen Stämmen und den verbliebenen Thrakern zu einer neuen Nation.
Unter Zar Simeon I. (893–927) erlebte Bulgarien sein Goldenes Zeitalter: Das Reich erstreckte sich von der Adria bis zum Schwarzen Meer, und die Hauptstadt Preslav rivalisierte mit Konstantinopel. Die kyrillische Schrift wurde von den Schülern Kyrills und Methods in Bulgarien weiterentwickelt und verbreitet — heute verwenden sie über 250 Millionen Menschen weltweit.
Zweites Bulgarisches Reich (1185–1393)
Nach einer Phase byzantinischer Herrschaft errang Bulgarien 1185 seine Unabhängigkeit zurück. Die neue Hauptstadt Veliko Tarnovo wurde zur prächtigen Residenz, die Festung Tsarevets zum Machtzentrum. Unter Zar Iwan Asen II. (1218–1241) erreichte das Zweite Reich seine größte Ausdehnung und kulturelle Blüte.
Die zunehmende Schwächung durch innere Konflikte machte Bulgarien anfällig für die osmanische Expansion. 1393 fiel Tarnovo, 1396 war ganz Bulgarien unter osmanischer Kontrolle — der Beginn von fast 500 Jahren Fremdherrschaft.
Osmanische Herrschaft (1396–1878)
Die fast fünfhundertjährige osmanische Herrschaft ist das prägendste Kapitel der bulgarischen Geschichte — und das schmerzhafteste. Die bulgarische Aristokratie wurde eliminiert, Kirchen in Moscheen umgewandelt, die bulgarische Kultur unterdrückt. Gleichzeitig: Die Osmanen brachten eine funktionsfähige Verwaltung, Handelsrouten und architektonische Werke — die Moscheen, Bäder und Brücken, die bis heute erhalten sind.
Im 18./19. Jahrhundert erwachte das bulgarische Nationalbewusstsein: Die Bulgarische Wiedergeburt (Văzrazhdane) brachte Schulen, Literatur, Architektur und schließlich den bewaffneten Widerstand. Der Aprilaufstand 1876 wurde blutig niedergeschlagen (das „Massaker von Batak" schockierte ganz Europa), aber er löste den Russisch-Osmanischen Krieg aus. Am 3. März 1878 wurde Bulgarien durch den Frieden von San Stefano befreit — der 3. März ist bis heute Nationalfeiertag.