Kunst & Kultur · Abschnitt 1/1

Musik — Brasiliens Seele

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Musik — Brasiliens Seele

Wenn Brasilien eine Sprache hat, die jeder versteht, dann ist es die Musik. Kaum ein Land hat so viele Musikgenres hervorgebracht, die die Welt verändert haben:

★★★ Samba

Die Seele Brasiliens. Samba entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den afro-brasilianischen Gemeinschaften Rios — aus einer Mischung afrikanischer Rhythmen, portugiesischer Melodien und indigener Einflüsse. Heute gibt es Dutzende Samba-Stile: Samba de Roda (Bahia), Samba-Enredo (Karnevalsschulen), Pagode (Party-Samba mit Banjo und Pandeiro), Samba de Raiz (traditioneller Samba). Die Sambaschulen (Escolas de Samba) in Rio sind keine Schulen, sondern Gemeinschaftsorganisationen mit tausenden Mitgliedern.

★★★ Bossa Nova

Die eleganteste Musik, die Brasilien je hervorgebracht hat: Ende der 1950er verschmolzen Antônio Carlos Jobim, João Gilberto und Vinícius de Moraes Jazz-Harmonien mit Samba-Rhythmen und schufen ein Genre, das die Welt verzauberte. „The Girl from Ipanema" (1962) ist einer der meistgespielten Songs aller Zeiten. Bossa Nova klingt nach Ipanema bei Sonnenuntergang: lässig, melancholisch, perfekt.

★★★ MPB (Música Popular Brasileira)

Die Weiterentwicklung von Bossa Nova ab den 1960ern — Brasiliens Goldstandard der Popmusik. Caetano Veloso, Gilberto Gil, Milton Nascimento, Chico Buarque, Elis Regina: Künstler, die Musik, Poesie und politischen Protest zu einer Kunstform verschmolzen. Während der Militärdiktatur war MPB die Stimme des Widerstands — manche Künstler gingen ins Exil.

★★ Tropicália

Die psychedelische Kulturbewegung der späten 1960er: Caetano Veloso und Gilberto Gil mischten MPB mit Rock, Elektronik und Avantgarde. Politisch subversiv, musikalisch revolutionär. Das Album „Tropicália ou Panis et Circenses" (1968) ist Brasiliens „Sgt. Pepper".

Weitere Genres

  • Forró: Der Tanz und die Musik des Nordostens. Akkordeon, Zabumba-Trommel, Dreieck. Luiz Gonzaga ist der König. Fröhlich, schweißtreibend, ansteckend.
  • Axé: Karnevalsmusik aus Salvador, energetisch, perkussiv. Olodum (die Trommelgruppe von Paul Simons „Rhythm of the Saints").
  • Sertanejo: Brasiliens Country-Musik — heute der beliebteste Musikstil des Landes. Kitschig, eingängig, überall.
  • Funk Carioca: Bass-lastiger, energischer Hip-Hop aus Rios Favelas. Kontrovers, provokant, omnipräsent.

Oscar Niemeyer — Brasiliens Architektur-Genie

Oscar Niemeyer (1907–2012) war der einflussreichste Architekt Brasiliens und einer der wichtigsten des 20. Jahrhunderts. Seine Markenzeichen: geschwungene Formen, freie Kurven, Beton als skulpturales Material. Sein Meisterwerk: die gesamte Stadt Brasília — die futuristische Hauptstadt, die er zusammen mit Stadtplaner Lúcio Costa in nur 4 Jahren aus dem Nichts errichtete (1956–1960). Weitere Ikonen: das MAC in Niterói (das „Ufo"), das Museu Oscar Niemeyer in Curitiba, die Kathedrale von Brasília.

Street Art

Brasilien hat eine der lebendigsten Street-Art-Szenen der Welt. São Paulo ist die inoffizielle Hauptstadt: Eduardo Kobra, Os Gêmeos, Nunca, Cranio — brasilianische Streetart-Künstler sind weltweit in Museen vertreten. In Rio ist die Escadaria Selarón ein Pilgerziel, und in Vila Madalena (São Paulo) die Beco do Batman. Aber auch in Salvador, Recife und Belo Horizonte blüht die Szene.

Literatur

Machado de Assis (1839–1908) gilt als der größte brasilianische Schriftsteller — ein afro-brasilianischer Autodidakt, der mit „Epitaph eines kleinen Gewinners" und „Dom Casmurro" Weltliteratur schuf. Weitere wichtige Stimmen: Jorge Amado (Bahia-Romane), Clarice Lispector (existentialistische Erzählungen), Paulo Coelho (Der Alchimist — meistverkaufter brasilianischer Roman aller Zeiten).

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