Königreich & Adelsrepublik
Polens Geschichte ist eine der dramatischsten Europas — ein ständiger Wechsel zwischen Größe und Katastrophe, Wiedergeburt und Untergang.
Die Anfänge (10.–14. Jahrhundert)
966 n. Chr. ließ sich Fürst Mieszko I. in Poznań taufen — die Geburtsstunde des polnischen Staates und der christlichen Zivilisation in diesem Teil Europas. Sein Sohn Bolesław der Tapfere wurde 1025 zum ersten König Polens gekrönt.
Im 14. Jahrhundert erlebte Polen unter König Kasimir dem Großen (Kazimierz Wielki) eine erste Blüte: Er gründete die Jagiellonen-Universität in Krakau (1364, zweitälteste in Mitteleuropa), schützte die jüdische Bevölkerung mit einem Toleranzedikt und ließ Dutzende Burgen und Städte errichten. Der berühmte Spruch: „Er fand ein Polen aus Holz und hinterließ eines aus Stein."
Die Goldene Ära: Die Polnisch-Litauische Union (1385–1795)
1385 entstand durch die Union von Krewo die polnisch-litauische Personalunion — und 1569 durch die Union von Lublin die polnisch-litauische Adelsrepublik (Rzeczpospolita): der größte Flächenstaat Europas, der von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte.
Diese Adelsrepublik war ein erstaunlich modernes Experiment:
- Wahlkönigtum: Der König wurde vom Adel gewählt — kein Erbrecht!
- Goldene Freiheit: Der Adel (10% der Bevölkerung, mehr als in jedem anderen Land Europas) hatte weitgehende Mitbestimmungsrechte
- Verfassung vom 3. Mai 1791: Die erste demokratische Verfassung Europas (und die zweite weltweit nach den USA!)
- Religiöse Toleranz: Polen war Europas tolerantestes Land — Juden, Protestanten, Orthodoxe und Muslime lebten relativ friedlich zusammen, während anderswo Religionskriege tobten. Das machte Polen zum Zufluchtsort für verfolgte Juden aus ganz Europa.