Kunst & Architektur · Abschnitt 5/5

Architektur der Fincas

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Architektur der Fincas

Die Finca — das mallorquinische Landhaus — ist mehr als ein Gebäude: Sie ist ein Archetyp mediterraner Architektur, entstanden aus den praktischen Bedürfnissen einer bäuerlichen Gesellschaft und heute eines der begehrtesten Immobilien- und Urlaubsobjekte der Insel.

Bauweise und Merkmale

Typische Merkmale einer mallorquinischen Finca: dicke Mauern aus lokalem Naturstein (Mares-Sandstein im Süden, Kalkstein in der Tramuntana), die im Sommer kühlen und im Winter wärmen. Holzbalkendecken (Bigues) aus Kiefern- oder Olivenholz. Kleine Fenster zur Sonnenseite (Hitzeschutz), größere zur Schattenseite. Ein Innenhof (Clastra) als geschützter Lebensraum. Eine Zisterne (Aljub) für Regenwasser. Dachziegel in warmem Terrakotta. Außenmauern oft in den typischen Erdtönen — Ocker, Terrakotta, helles Beige.

Possessions — die großen Landgüter

Possessions (von lateinisch possessio — Besitz) waren die Güter des mallorquinischen Landadels. Größer als normale Fincas, umfassten sie oft ein Herrenhaus (Cases de possessio), eine Kapelle, eine Ölmühle (Tafona), Wirtschaftsgebäude, Stallungen und große Ländereien mit Oliven, Mandeln oder Getreide. Viele Possessions tragen historische Namen, die Jahrhunderte zurückreichen: Son Marroig (Deia), Son Moragues (Valldemossa), Son Brull (Pollenca).

Im 20. Jahrhundert verfielen viele Possessions, als die Landwirtschaft unrentabel wurde und die Familien in die Stadt zogen. Seit den 1990ern erleben sie eine Renaissance als Landhotels: Aufwendig restaurierte Possessions wie Son Brull bei Pollenca, Son Net in Puigpunyent oder Finca Son Palou in Orient gehören heute zu den stimmungsvollsten Unterkünften der Insel. Die Restaurierung folgt oft strengen denkmalpflegerischen Vorgaben: Originalbalken werden erhalten, Mares-Steine wiederverwendet, traditionelle Bautechniken angewendet.

Fincas heute

Der Finca-Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Hunderte von Fincas und Possessions sind als Agrotourismus-Betriebe (Agroturismes) oder Ferienwohnungen (Turisme Interior) zugelassen. Die schönsten verbinden historische Atmosphäre mit modernem Komfort — Pool im Orangengarten, freigelegtes Steinmauerwerk neben Designer-Bad, Olivenöldegustation im eigenen Hain. Die Preise reichen von 100 € pro Nacht für eine einfache Finca bis über 1.000 € für eine exklusive Possession mit Personal.

💡 Tipp

Wer eine authentische Finca-Erfahrung sucht, sollte ins Landesinnere schauen — rund um Arta, Campos, Sineu und Petra gibt es wunderschöne restaurierte Fincas zu deutlich günstigeren Preisen als an der Küste. Plus: Man erlebt das „echte" Mallorca.

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