Kolonialzeit & Unabhängigkeit
Die spanische Eroberung (1524)
Im Februar 1524 marschierte Pedro de Alvarado mit einer kleinen Armee und indigenen Verbündeten aus Mexiko ein. Die Maya-Königreiche des Hochlandes — K'iche', Kaqchikel, Mam, Tz'utujil — wurden nacheinander besiegt. Die Eroberung war brutal: Massaker, Zwangstaufen, Versklavung. Die Hauptstadt wurde dreimal verlegt (Iximché, Ciudad Vieja, Antigua), bevor das Erdbeben von 1773 den Umzug nach Guatemala-Stadt erzwang.
Kolonialherrschaft (1524–1821)
Guatemala wurde Sitz des Generalkapitanats Guatemala, das ganz Zentralamerika verwaltete. Die koloniale Gesellschaft war streng hierarchisch: Spanischstämmige (Criollos) an der Spitze, Mestizen in der Mitte, indigene Maya am Boden. Die Maya wurden zu Zwangsarbeit auf den Plantagen gezwungen, ihre Sprachen und Religionen unterdrückt — aber nie vollständig ausgelöscht. Der religiöse Synkretismus (Verschmelzung von Maya-Spiritualität und Katholizismus) entstand als stille Widerstandsform.
Unabhängigkeit & 20. Jahrhundert
1821 erklärte Guatemala die Unabhängigkeit von Spanien — doch die Maya profitierten kaum davon. Im 20. Jahrhundert folgten Militärdiktaturen, ein von der CIA unterstützter Putsch (1954) und ein 36 Jahre dauernder Bürgerkrieg (1960–1996), der über 200.000 Menschenleben kostete, darunter einen Genozid an der Maya-Bevölkerung. Rigoberta Menchú, eine K'iche'-Maya, erhielt 1992 den Friedensnobelpreis für ihren Kampf für die Rechte der indigenen Völker.
Seit den Friedensabkommen von 1996 ist Guatemala eine Demokratie — aber die Narben des Bürgerkriegs sind noch spürbar. Armut, Ungleichheit und Korruption bleiben große Herausforderungen, doch die Maya-Kultur erlebt eine Renaissance des Stolzes und der Selbstbestimmung.