Geschichte
Brasiliens Geschichte ist eine epische Erzählung von Eroberung, Sklaverei, Revolution und Resilienz — ein Land, das sich immer wieder neu erfunden hat.
Indigene Völker (vor 1500)
Vor der europäischen Ankunft lebten schätzungsweise 5–8 Millionen Indigene in über 1.000 verschiedenen Völkern auf dem Gebiet des heutigen Brasiliens. Die Tupinambá an der Küste, die Guaraní im Süden, die Yanomami im Amazonas — jedes Volk mit eigener Sprache, Kultur und Kosmologie. Die meisten lebten als Jäger und Sammler oder betrieben Brandrodungsfeldbau. Von ihrer reichen Kultur ist vieles in die brasilianische Identität eingeflossen: die Hängematte (rede), Maniok (mandioca), Mais, die Liebe zur Natur.
Portugiesische Kolonie (1500–1822)
Pedro Álvares Cabral landete am 22. April 1500 an der Küste Bahias und nahm das Land für Portugal in Besitz. Der Name „Brasilien" stammt vom Brasilholz (Pau-Brasil) — einem roten Edelholz, das die Kolonisatoren in Massen fällten und nach Europa verschifften.
Die Kolonialgeschichte Brasiliens ist untrennbar mit der Sklaverei verbunden: Über einen Zeitraum von 350 Jahren wurden fast 5 Millionen Afrikaner nach Brasilien verschleppt — mehr als in jedes andere Land der Neuen Welt. Sie arbeiteten auf Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen, in Goldminen und in den Städten. Die afro-brasilianische Kultur — Samba, Capoeira, Candomblé, die Küche Bahias — ist das direkte Erbe dieser leidvollen Geschichte.
Brasilien war das letzte Land der westlichen Hemisphäre, das die Sklaverei abschaffte: erst am 13. Mai 1888 durch die „Lei Áurea" (Goldenes Gesetz).
Kaiserreich (1822–1889)
1822 erklärte Pedro I., Sohn des portugiesischen Königs, Brasiliens Unabhängigkeit mit dem berühmten Ausruf „Independência ou Morte!" (Unabhängigkeit oder Tod!) am Ufer des Ipiranga in São Paulo. Brasilien wurde ein Kaiserreich — das einzige in ganz Amerika. Unter Pedro II. (1840–1889) erlebte das Land eine Phase der Modernisierung, aber auch den Paraguaykrieg (1864–1870), der blutigste Krieg Südamerikas.
Republik & Militärdiktatur
1889 wurde die Monarchie durch einen Militärputsch gestürzt und die Republik ausgerufen. Es folgten turbulente Jahrzehnte: die Kaffee-Oligarchie, die Industrialisierung unter Getúlio Vargas (1930–1945, 1951–1954), der Bau der futuristischen Hauptstadt Brasília unter Juscelino Kubitschek (1960) — und schließlich die Militärdiktatur (1964–1985): 21 Jahre autoritärer Herrschaft mit Zensur, Folter und politischer Verfolgung, aber auch mit dem „Wirtschaftswunder" der 1970er.
Moderne Demokratie (1985–heute)
Seit 1985 ist Brasilien eine Demokratie. Die wichtigsten Meilensteine: die Verfassung von 1988 (eine der fortschrittlichsten der Welt in Sachen soziale Rechte), die Wirtschaftsreformen unter Fernando Henrique Cardoso (Real-Plan, 1994), die Sozialprogramme unter Lula (2003–2010, die 40 Millionen Menschen aus der Armut holten), die WM 2014 und Olympia 2016 in Rio — und die politischen Turbulenzen der letzten Jahre.